Solltest du deine App-Idee schützen lassen?

Kann man eine App-Idee patentieren oder per NDA schützen? Ich erkläre warum offene Kommunikation wichtiger ist als jeder Geheimhaltungsvertrag.

Jan Mensch – iOS App Entwickler Jan Mensch ·
Solltest du deine App-Idee schützen lassen?

Kannst du eine App-Idee patentieren lassen? Kannst du verhindern, dass sie geklaut wird? Und wie gehst du sicher, dass ein Entwickler nicht einfach deine Idee nimmt und den großen Reibach macht?

Diese Gedanken sind verständlich. Aber sie halten viele Leute davon ab, ihr Projekt überhaupt anzugehen. Das ist schade. Denn so passiert erst recht nichts. Keiner setzt die Idee um, keiner verdient Geld, keinem Kunden ist geholfen.

Es gibt zwei Seiten, aus denen ich das beleuchten kann.

Was kannst du selber tun?

Patent anmelden

Das Patent klingt verlockend: du meldest es an, setzt die Idee um, und wenn jemand anderes dasselbe macht, bekommst du auch dafür Geld.

Aber kann man App-Ideen überhaupt patentieren lassen? Wie es mit Recht so ist: es ist kompliziert. Eine App-Idee alleine ist nicht patentfähig. Auch ein gesamtes Stück Software lässt sich nicht patentieren. Patentfähig ist Software nur dann, wenn sie ein ganz konkretes technisches Problem löst: ein spezifisches Verfahren zur Datenkomprimierung, zur Verschlüsselung, zur Objekterkennung auf Bildern. Die App, die dieses Verfahren dann nutzt, wird dadurch nicht pauschal geschützt, sondern nur das Verfahren selbst.

Das heißt: du könntest nur dann Lizenzgebühren verlangen, wenn du nachweisen kannst, dass ein Mitbewerber exakt dieses Verfahren verwendet. Das herauszufinden ist schon eine Meisterleistung. Und dann gibt es noch viele andere Wege zu einem ähnlichen Ergebnis zu kommen.

Kurz: Ein Patent kommt für die meisten App-Ideen schlicht nicht infrage. Wenn du glaubst, es könnte passen, brauchst du individuelle Rechtsberatung, die natürlich auch Geld kostet.

NDA: Geheimhaltungsvertrag

Die zweite Option: du lässt alle, mit denen du über das Projekt sprichst, vorher einen NDA unterschreiben. Vertraglich gebunden, nichts nach außen zu tragen.

Auch hier lohnt es sich, einen Anwalt einen wasserdichten Vertrag aufsetzen zu lassen.

Über den praktischen Nutzen lässt sich streiten. Der NDA hilft dir nur, wenn dein Vertragspartner den Vertrag tatsächlich gebrochen hat und du das nachweisen kannst. Kommen andere unabhängig auf dieselbe Idee, was sehr wahrscheinlich ist, hilft dir der Vertrag gar nichts. Am Ende vom Tag sind NDAs in diesem Kontext eher ein Werkzeug um dich selbst zu beruhigen, nicht um dich im Ernstfall zu schützen.

Was ist deine Idee überhaupt wert?

Ich sage: eine Idee allein ist nicht viel.

Eine gigantisch gute Idee kann katastrophal umgesetzt werden. Und macht keinen Gewinn. Eine mittelmäßige Idee kann hervorragend umgesetzt und gut vermarktet werden. Und macht Gewinn.

Die Idee ist nicht alleine entscheidend. Und ob deine Idee wirklich gut ist, weißt du nur, wenn du sie validiert hast, also überprüft hast, ob deine Annahmen stimmen. Ob die Endkunden deine Lösung wirklich gut finden. Das findest du heraus, indem du mit ihnen darüber redest. Raus gehst mit der Idee, offen redest, Wissen aufsaugst.

Die Einstellung, dass die Idee per se gigantisch gut ist, ist eine ungeprüfte Vermutung, ergänzt durch (Entschuldigung für meine Anmaßung) den Hochmut, dass kein anderer sie besser umsetzen könnte.

Außerdem: Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Idee schon irgendwo existiert, ist sehr hoch. Es gibt sogar Investoren, die es ablehnen in Projekte zu investieren, wenn es keine Konkurrenz gibt, weil das oft ein Zeichen dafür ist, dass es keinen Markt gibt. Konkurrenz ist kein schlechtes Zeichen. Es ist der handfeste Beweis, dass Kunden für diese Art von Lösung Geld bezahlen.

Was gewinnst du dadurch, deine Idee geheim zu halten?

Angenommen, du hast die App unter kompletter Verschwiegenheit entwickeln lassen. Dann gehst du live. Und keiner weiß von deiner App. Du startest erst beim Launch bei Null mit dem Marketing. Ziemlich spät.

Ja, du hast einen Vorsprung gegenüber jemandem, der die App jetzt erst kopiert. Aber aufholbar ist dieser Vorsprung allemal. Am Ende gewinnt nicht wer zuerst da war, sondern wer am besten verbreitet ist. In anderen Worten: Vorsprung ist keine Garantie für Erfolg.

Entwickler wollen deine Idee nicht klauen

Wirklich nicht.

Wir bekommen genug Anfragen von motivierten, felsenfest überzeugten Gründern. Und wir wissen, wie oft es wirklich so ausgeht. (Selten.) Und wir wissen, wie viel Arbeit Vertrieb und Marketing einer App kosten, oft mehr als die Entwicklung selbst. Wir sind Entwickler, weil wir entwickeln wollen. Nicht weil wir Lust haben, fremde Ideen zu vermarkten.

Außerdem leben wir von unserem Ruf. Hätten wir einen schlechten Ruf für gestohlene Ideen, bekämen wir keine Folgeaufträge mehr. Das Geschäftsmodell „Ideen klauen” funktioniert für uns schlicht nicht.

Und noch etwas: Kannst du dir vorstellen, dass ein Entwickler deine App ohne dich bauen kann? Die App ergibt wahrscheinlich nur in einem sehr spezifischen Kontext Sinn, für eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen, mit einem ganz bestimmten Problem, das du kennst. Der Entwickler kennt weder deine Kunden noch dein Umfeld. Er braucht dich. Du bist der Schlüssel.

Zusammenfassung

  • Geh raus mit deiner Idee. Erzähle Leuten davon. Hole dir Feedback. Nur so wird sie besser.
  • Patente funktionieren nur in sehr technischen Spezialfällen und erfordern individuelle Rechtsberatung.
  • NDAs sind in diesem Kontext nur bedingt hilfreich.
  • Vorsprung ist keine Garantie für Erfolg. Am Ende gewinnt die beste Umsetzung mit dem besten Marketing. Nicht wer die Idee hatte.
  • Entwickler sind nicht daran interessiert, Ideen zu klauen. Es ist nicht unser Geschäftsmodell.

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