Wie wird überhaupt eine App entwickelt? - Du willst also eine App Teil 2

Von Konzeption über Design und Entwicklung bis zum Release: ein Überblick über den typischen Ablauf eines App-Projekts für Einsteiger.

Jan Mensch Jan Mensch ·
Wie wird überhaupt eine App entwickelt? - Du willst also eine App Teil 2

Ein App-Projekt ist kein Sprint – es ist ein strukturierter Prozess mit mehreren Phasen. Wer diese Phasen kennt, kann besser planen, realistische Erwartungen setzen und Fehler vermeiden, die später teuer werden.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über den typischen Ablauf: von der Konzeption bis zur Wartung.

Phase 1: Konzeption

Die Konzeptionsphase ist die wichtigste und wird am häufigsten unterschätzt oder übersprungen.

Nur weil eine Person die Idee kennt, heißt das nicht, dass sie sie einem Entwickler so erklären kann, dass er sie umsetzen kann. Ein Entwickler baut jede Funktion einzeln, setzt sie in Logik um und verknüpft sie mit der Benutzeroberfläche. Das kann er nur, wenn er wirklich versteht:

  • Was gebaut wird
  • Wie die Teile der App zusammenhängen
  • Warum bestimmte Dinge genau so sein müssen und nicht anders

Was passiert ohne gute Konzeption?

  • Fragen, die früh hätten beantwortet werden sollen, tauchen mitten in der Entwicklung auf.
  • Der Entwickler füllt Lücken nach seiner eigenen Einschätzung – nicht nach deiner.
  • Planänderungen mitten in der Entwicklung führen zu Umbau, verschwendetem Aufwand und Kosten.

Ein guter Entwickler wird auch daran erkennen, wie ernst du das Projekt nimmst. Wer vorbereitet kommt, signalisiert Seriosität – und gute Entwickler suchen sich Projekte, bei denen sie das Gefühl haben, dass echte Absichten dahinter stecken.

Phase 2: Planung

Es gibt verschiedene Wege, ein Software-Projekt zu planen.

Der Wasserfall-Ansatz – und warum er scheitert

In der Frühzeit der IT hat man versucht, Software vollständig vorab zu planen: alle Anforderungen sammeln, technisches Konzept erstellen, entwickeln, prüfen, warten. Die Realität: Viele große Projekte sind auf diese Weise gescheitert.

Keine komplexe Software kann am Anfang vollständig definiert werden. Nicht alle Schwierigkeiten sind vorhersehbar. Unsicherheiten multiplizieren sich mit der Zeit. Deadlines werden verschoben. Unerwartete Kosten entstehen – obwohl „ja alles geplant wurde”.

Iterative und agile Entwicklung – der bessere Weg

Der agile Ansatz nimmt das zur Kenntnis: Das Konzept des Endprodukts muss stehen, aber man entscheidet sich, zuerst einen kleinen Teil zu bauen – den MVP (Minimum Viable Product), die kleinste sinnvolle Einheit.

Dann wird Schritt für Schritt darauf aufgebaut. Unsicherheiten fallen früh auf und können früh adressiert werden. Der Kunde hat alle paar Wochen eine neue Version in der Hand und kann gezielt Feedback geben.

In der Praxis arbeiten viele Entwickler in Sprints – Zeitabschnitte von typischerweise zwei Wochen. Nach jedem Sprint gibt es eine neue Version, eine Abnahme und eine Planung des nächsten Abschnitts.

Das erfordert eine Balance: Der Entwickler garantiert Transparenz und frühe Kommunikation bei Problemen. Der Auftraggeber bezahlt nach nachvollziehbarem Fortschritt und akzeptiert, dass nicht alles Monate im Voraus exakt festgelegt werden kann.

Phase 3: Design

Design und Planung sollten parallel beginnen – aber sie sind zwei verschiedene Aufgaben.

Der Entwickler ist für die Entwicklung zuständig. Ein Designer für das visuelle Design. Ohne fertiges Konzept und UI-Layout kann kein erfahrener Entwickler eine belastbare Aufwandsschätzung machen – denn selbst scheinbare Kleinigkeiten können mehrere Tage Entwicklungszeit kosten.

Praktische Fragen, die in dieser Phase beantwortet werden:

  • Was braucht in der ersten Version ein Layout – und was nicht?
  • Was kann in einer späteren Version kommen?

So lässt sich der Designaufwand gezielt auf das Wesentliche begrenzen.

Phase 4: Entwicklung

Erst jetzt beginnt die eigentliche Programmierung.

Am Anfang kann der Fortschritt sich langsam anfühlen. Das ist normal: Ein guter Entwickler nimmt sich Zeit für technische Grundentscheidungen, die nach außen unsichtbar sind, aber langfristig viele Probleme vermeiden.

Wie oft solltest du eine Testversion bekommen? Das hängt vom Projektumfang ab. Bei kleineren Projekten kann nach jedem Arbeitstag eine neue Version sinnvoll sein. Bei größeren Projekten empfiehlt sich ein Sprint-Rhythmus: nach zwei Wochen gibt es eine Abnahme der erledigten Aufgaben, danach Planung des nächsten Sprints.

Wichtig: Häufiges Feedback in kurzen Abständen kann den Entwickler dazu bringen, laufend Anforderungen zu ändern, statt die vereinbarten Aufgaben abzuschließen. Fokus ist während der Entwicklung entscheidend. Änderungswünsche lassen sich immer später einbauen.

Phase 5: Release

Kurz vor dem Launch ist noch einmal eine intensive Phase:

  • Letzte Qualitätsprüfung: Gibt es Bugs? Welche davon blockieren den Launch?
  • Design-Check: Passt alles auf allen Gerätegrößen?
  • Texte: Sind alle Inhalte korrekt und vollständig?

Sind alle Punkte abgehakt, wird die App bei Apple oder Google eingereicht.

Wichtig für iOS: Apple hat einen App-Review-Prozess, der nach dem Upload 1–2 Tage dauert – manchmal auch 3. Die App erscheint nicht sofort im App Store. Das gilt für jede Veröffentlichung, auch für Updates.

Weihnachtswarnung: AppStore Connect ist über die Weihnachts- und Neujahrszeit geschlossen. Wer kurz vor dem 22. Dezember einreicht und danach einen Bug entdeckt, kann ihn erst Anfang Januar beheben. Wenn ein Launch nicht bis Anfang Dezember gelingt, ist es ratsam, die Zeit für Feinschliff zu nutzen und ohne Risiko im neuen Jahr live zu gehen.

Phase 6: Wartung

Keine App ist von Anfang an fertig. Wartung ist keine Ausnahme – sie ist die Regel.

Nach dem Launch werden Bugs gefunden. Nutzer verhalten sich anders als erwartet. Neue iOS- und Android-Versionen erscheinen, die Anpassungen erfordern. Die App wird weiterentwickelt. Neue Features kommen hinzu.

Die Wartungsphase dauert deutlich länger als die Entwicklungsphase – das überrascht viele. Wer während der Entwicklung an der technischen Qualität gespart hat, merkt das hier: Jede Erweiterung wird teurer, jeder Bugfix riskanter.

Ein guter Entwickler baut von Anfang an für Wartbarkeit – das bedeutet, dass spätere Änderungen und Erweiterungen schnell, sicher und günstig umgesetzt werden können.


Häufig gestellte Fragen

Was sind die wichtigsten Phasen in der App-Entwicklung? Konzeption, Planung, Design, Entwicklung, Release und Wartung. Jede Phase hat ihren Zweck – das Überspringen einer Phase (besonders der Konzeption) erzeugt fast immer Mehraufwand in späteren Phasen.

Was ist ein MVP? Ein Minimum Viable Product ist die kleinste sinnvolle Version einer App – die minimale Funktionalität, die für einen ersten Markttest ausreicht. Statt sofort alle Features zu entwickeln, startet man klein und baut auf Basis echter Nutzerdaten aus.

Was ist agile Softwareentwicklung? Ein iterativer Ansatz, bei dem in kurzen Zyklen (Sprints, meist zwei Wochen) entwickelt wird. Nach jedem Sprint gibt es eine neue Testversion, eine Abnahme und eine neue Planung. Das macht Unsicherheiten früh sichtbar und verhindert, dass Fehler sich über Monate aufbauen.

Warum dauert der App Store Review so lange? Apple prüft jede eingereichte App manuell auf Qualität, Sicherheit und Regelkonformität. Das dauert typischerweise 1–2 Tage. Dieser Review gilt auch für jedes Update.

Warum ist die Wartungsphase wichtig? Weil keine App von Anfang an perfekt ist. Bugs werden gefunden, Nutzerwünsche entstehen, Betriebssystemupdates erfordern Anpassungen. Die Wartungsphase ist der längste Teil des App-Lebens – und die technische Qualität der Erstentwicklung entscheidet, wie aufwendig und kostspielig diese Phase wird.

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